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Heinrich von HerzogenbergKonzert für Violine und Orchester A-Dur WoO 4
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1889 komponierte Herzogenberg in Nizza ein Concert-Adagio in d-Moll (WoO 3), dessen Partitur er als Geschenk zum 50-jährigen Künstlerjubiläum Joachims (17. März 1889) an den verehrten Freund sandte. Zwei Monate später liess er den Geiger wissen: «Dem Adagio folgten unmittelbar ein 1. und dann ein 3. Satz – kurz, es liegt ein ganzes Violin-Concert bei mir seit 2 Monaten.» Joachims freundlicher Aufforderung, das Konzert «je eher je lieber» zu schicken, kam Herzogenberg am 26. Mai 1889 in Florenz nach: «Nicht ohne aufrichtiges Zagen übergab ich also der italienischen Post mein Concert, obwohl es Unicum ist; hätte ich’s doch lieber, es ginge verloren, als dass es Ihnen etwa nicht gefiele!». Tatsächlich räumte Joachim vier Wochen später ein, sich mit diesem Werk nicht durchweg anfreunden zu können. Herzogenberg erbat daraufhin die Partitur zurück und unterzog sie einer Revision, deren Abschluss er Joachim am 3. September 1889 meldete. Da Herzogenberg noch im gleichen Monat an seine Wirkungsstätte Berlin zurückkehrte, fehlen unmittelbar anschliessende Briefe. In der späteren Korrespondenz findet das Violinkonzert keinerlei Erwähnung mehr, woraus geschlossen werden muss, dass die Komposition offenbar auch in der revidierten Fassung nicht die volle Zustimmung Joachims fand. Eine Aufführung kam niemals zustande. Die Joachim zugesandte, dauerhaft in seinem Besitz verbliebene Partitur befindet sich heute in der Staatsbibliothek zu Berlin. Dieses Manuskript konnte dank der finanziellen und editorischen Unterstützung der Internationalen Herzogenberg-Gesellschaft erschlossen werden und macht die ersten öffentliche Aufführung des Werkes in Heiden überhaupt erst möglich. Dass Joachims reservierte Haltung durchaus nicht das Mass aller Dinge bedeuten musste, lässt sich an zwei anderen Beispielen veranschaulichen: So führte er das ihm gewidmete Violinkonzert von Antonín Dvořák niemals öffentlich auf und trug im Falle des Violinkonzertes von Robert Schumann sogar mit dazu bei, dass eine Rezeption des Werkes für Jahrzehnte unterblieb. Wer wollte deshalb heute den künstlerischen Wert dieser prominenten Gattungsbeiträge in Zweifel ziehen? Mit Herzogenbergs dreisätzigem Violinkonzert erwartet den Hörer keineswegs ein trockenes Professorenstück, sondern eine unmittelbar ansprechende, in symphonischem und konzertantem Stil fein ausdifferenzierte und in leidenschaftlichen Themen schwelgende Musik, der man das freundliche Mittelmeer-Ambiente, in der sie entstand, förmlich anhört. Eine originale Solokadenz für den 1. Satz existiert nicht. Herzogenberg selbst bekundete, dass er bei der Konzeption des Werkes «dem musikalisch-Ausdrucksvollen vor dem technisch-Interessanten den Vorzug gab». In seinem ästhetischen Gestus stellt sich das Violinkonzert den beiden Symphonien des Komponisten selbstbewusst zur Seite. Als einziges überliefertes Solokonzert Herzogenbergs (ein Cellokonzert von 1880 ist verschollen) beleuchtet es eine bisher unbekannte Facette in dessen Schaffen – und findet als Repertoirebereicherung von Heiden aus hoffentlich auch den Weg in andere Konzertsäle. Bernd Wiechert
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